Tag: Nährstoffe

  • Selen, Zink und Eisen: die stillen Helfer der Umwandlung

    Wenn deine Schilddrüsenwerte laut Labor in Ordnung sind, du dich aber trotzdem müde, kalt und ausgelaugt fühlst, lohnt ein Blick auf drei Spurenelemente, die im Standardbefund oft fehlen. Selen, Zink und Eisen arbeiten bei der Schilddrüse im Hintergrund, und genau deshalb werden sie leicht übersehen. Das Thema Selen Zink Eisen Schilddrüse ist deshalb interessant, weil es erklärt, warum die Umwandlung von Speicherhormon in aktives Hormon manchmal stockt, obwohl mit der Drüse selbst alles stimmt.

    Die Schilddrüse produziert überwiegend T4, ein weitgehend inaktives Speicherhormon. Wirksam wird es erst, wenn im Gewebe ein Jodatom abgespalten und daraus T3 gebildet wird. Für diesen Schritt und für einige Schritte davor braucht der Körper Cofaktoren. Fehlt einer davon, kann trotz gut eingestellter Blutwerte zu wenig aktives Hormon dort ankommen, wo es gebraucht wird.

    Warum diese drei die Umwandlung erst möglich machen

    Die Enzyme, die T4 in T3 umwandeln, heißen Deiodasen. Es gibt drei Typen, DIO1 vor allem in Leber und Niere, DIO2 unter anderem im Gehirn und in der Muskulatur, DIO3 baut Hormone wieder ab. Alle drei sind Selenoproteine. Ohne Selen können sie ihre Arbeit nicht tun. Das ist der direkteste Grund, warum Selen für die aktive Hormonform so wichtig ist. Mehr zu diesem Grundmechanismus findest du im Beitrag zur Umwandlungsstörung im Überblick.

    Zink setzt an einer anderen Stelle an. Es steckt in den sogenannten Zinkfinger-Strukturen der T3-Rezeptoren. Diese fingerförmigen Proteinabschnitte werden durch ein Zink-Ion stabilisiert und ermöglichen es dem Rezeptor, an die DNA zu binden und Gene zu aktivieren. Ohne funktionierende Rezeptoren wirkt T3 nicht, egal wie viel davon im Blut kreist. Zink ist außerdem an der T4-zu-T3-Umwandlung selbst und an der Bildung von TSH beteiligt.

    Eisen wiederum ist ein Kofaktor der Thyreoperoxidase, kurz TPO. Dieses Enzym baut Jod in die Hormone ein und ist ein Hämoprotein, es enthält Eisen im aktiven Zentrum. Fehlt Eisen, sinkt die TPO-Aktivität und die Hormonproduktion wird gedrosselt. Zusätzlich brauchen die umwandelnden Enzyme Energie und Sauerstoff, beides hängt am Eisenstatus.

    Merke

    Selen treibt die Deiodasen an, Zink macht die Rezeptoren funktionsfähig, Eisen ermöglicht die Hormonproduktion. Die drei arbeiten synergistisch. Ein Mangel an einem verstärkt den Effekt der anderen, deshalb reicht es selten, nur ein einziges Spurenelement zu betrachten.

    Was ein Mangel bewirkt

    Das Tückische ist die Überlappung mit den klassischen Symptomen einer Unterfunktion. Müdigkeit, Haarausfall, Kälteempfindlichkeit, Konzentrationsprobleme und trockene Haut können sowohl von der Schilddrüse als auch von einem Spurenelementmangel kommen. Deshalb wird der eigentliche Auslöser oft übersehen.

    • Selenmangel: reduzierte T4-zu-T3-Umwandlung, dadurch weniger aktives Hormon, verstärkter oxidativer Stress in der Drüse. Die Schweiz und Deutschland gelten als leichte Selenmangelgebiete.
    • Zinkmangel: eine Art Hormonresistenz. T3 ist im Blut vorhanden, kann aber wegen instabiler Zinkfinger nicht richtig an die Rezeptoren binden, die Gene werden nicht aktiviert. Symptome trotz guter Werte sind die Folge.
    • Eisenmangel: gedrosselte Hormonproduktion über die TPO, dazu eine Konstellation, die dem Low-T3-Syndrom ähnelt, mit fT3 im unteren Bereich bei normalem oder leicht erhöhtem TSH.

    Studien zeigen, dass Frauen mit Eisenmangel häufiger erhöhte TSH-Werte haben und dass sich TSH nach Auffüllen der Eisenspeicher normalisieren kann. Bei Hashimoto kommt Eisenmangel besonders oft vor, unter anderem durch die bei Unterfunktion verlangsamte Magensäureproduktion, durch stärkere Menstruationsblutungen und durch begleitende Erkrankungen wie Zöliakie. So entsteht ein Kreislauf, in dem sich Schilddrüsenproblem und Eisenmangel gegenseitig verstärken. Wie sich niedriges fT3 im Laborbild zeigt, liest du im Beitrag fT3, fT4 und reverse T3 richtig lesen.

    Wie man einen Mangel erkennt

    Für jedes der drei Elemente gibt es sinnvolle Marker, und für jeden gilt ein Laborvorbehalt. Werte schwanken, und der Normbereich ist nicht immer das funktionelle Optimum. Die folgenden Zahlen stammen aus den Quellen und dienen nur der Orientierung, die Einordnung gehört in ärztliche Hand.

    Eisen: Ferritin statt nur Hämoglobin

    Der aussagekräftigste Wert ist Ferritin, das Speichereisen. Es fällt lange bevor das Hämoglobin absinkt, ein normales Hämoglobin schließt einen Ferritinmangel also nicht aus. In den Quellen gelten Werte unter 30 µg/L als eindeutiger Mangel, 30 bis 50 µg/L als suboptimal, und als guter bis optimaler Bereich bei Schilddrüsenerkrankungen werden 70 bis 100 µg/L genannt. Wichtig, Ferritin ist ein Akute-Phase-Protein und kann bei Entzündung falsch hoch sein, deshalb sollte CRP mitbestimmt werden.

    Selen: Serum oder Vollblut

    Am häufigsten wird Selen im Serum gemessen, mit einem Normbereich um 70 bis 150 µg/L, wobei Werte über 100 µg/L als günstig gelten. Aussagekräftiger für die Langzeitversorgung ist Selen im Vollblut, ein funktioneller Marker ist Selenoprotein P. Sinnvoll ist, den Status vor einer möglichen Supplementierung zu kennen, denn bei bereits guten Werten bringt zusätzliches Selen nichts und kann bei dauerhaftem Überkonsum sogar schaden.

    Zink: schwieriger zu messen

    Zink ist diagnostisch am schwersten zu fassen, weil nur ein winziger Bruchteil des Körperzinks im Serum zirkuliert und der Wert durch Tageszeit, Mahlzeiten und Entzündungen verzerrt wird. Serum-Zink wird morgens nüchtern gemessen, sinnvollerweise zusammen mit CRP, Vollblut-Zink gilt als stabiler. Ein Wert im unteren Normbereich kann funktionell bereits knapp sein. Symptome wie Geschmacks- und Geruchsstörungen sind vergleichsweise typisch für einen Zinkmangel.

    Was die Datenlage bei Hashimoto zeigt

    Am besten untersucht ist Selen. Mehrere Meta-Analysen und randomisierte Studien zeigen, dass eine Supplementierung, in den Studien meist mit 200 µg täglich über drei bis zwölf Monate, die TPO-Antikörper signifikant senken kann, oft um 20 bis 50 Prozent, besonders bei hohen Ausgangswerten und bestehendem Selenmangel. Auf die eigentlichen Schilddrüsenhormone TSH und fT4 hat Selen allein meist keinen messbaren Effekt, und ob die Antikörpersenkung sich in besseren Symptomen niederschlägt, ist uneinheitlich. Ein Cochrane-Review kam entsprechend zu einer vorsichtigen Einschätzung.

    Für Zink ist die Datenlage dünner. Tierstudien zeigen, dass Zinkmangel die T3-Konzentration senkt, beim Menschen ist der Zusammenhang plausibel, aber weniger eindeutig belegt. Für Eisen gilt, dass ein Ausgleich eines nachgewiesenen Mangels erhöhte TSH-Werte normalisieren kann, hier geht es also weniger um Hashimoto direkt als um die Behebung eines Mangels, der die Schilddrüsenfunktion zusätzlich belastet. Der rote Faden bleibt, ein Ausgleich hilft dort, wo wirklich ein Mangel besteht, nicht als pauschale Maßnahme. Mehr zum Krankheitsbild selbst findest du unter Hashimoto verstehen.

    Was diese Nährstoffe nicht können

    So wichtig Selen, Zink und Eisen für die Umwandlung sind, ihre Grenzen sind klar. Sie ersetzen kein L-Thyroxin. Wer eine echte Unterfunktion hat, braucht die Hormonersatztherapie, daran ändern Spurenelemente nichts. Sie heilen auch keine Hashimoto-Thyreoiditis. Selen kann die Autoimmunaktivität messbar dämpfen, aber die Erkrankung bleibt bestehen. Und mehr ist nicht besser. Gerade bei Selen ist der Abstand zwischen Nutzen und Toxizität schmal, dauerhaft über 300 bis 400 µg täglich drohen Vergiftungserscheinungen, paradoxerweise mit denselben Symptomen wie beim Mangel, etwa Haarausfall und brüchigen Nägeln. Auch dauerhaft hohe Zinkdosen können einen Kupfermangel verursachen, und zu viel Eisen ist ebenfalls schädlich.

    Deshalb ist die Reihenfolge entscheidend. Erst messen, dann bei nachgewiesenem oder gut begründetem Mangel und in ärztlicher Begleitung handeln, nicht umgekehrt. Ein pauschales Kombipräparat auf Verdacht kann mehr Probleme schaffen als lösen.

    Die Inhalte dieses Beitrags dienen der Information und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Spurenelemente sollten nur bei nachgewiesenem Mangel und nach ärztlicher Rücksprache ergänzt werden, insbesondere bei bestehender Schilddrüsenerkrankung. Wenn du trotz Behandlung anhaltende oder auffällige Beschwerden hast, lass das ärztlich abklären.

    Quellen

    1. Schomburg L. Selenium, selenoproteins and the thyroid gland: interactions in health and disease. Nat Rev Endocrinol. 2012;8(3):160-71.
    2. Ventura M, et al. Selenium and Thyroid Disease: From Pathophysiology to Treatment. Int J Endocrinol. 2017;2017:1297658.
    3. Wichman J, et al. Selenium Supplementation Significantly Reduces Thyroid Autoantibodies: A Systematic Review and Meta-Analysis. Thyroid. 2016;26(12):1681-1692.
    4. van Zuuren EJ, et al. Selenium supplementation for Hashimoto’s thyroiditis. Cochrane Database Syst Rev. 2013;(6):CD010223.
    5. Betsy A, et al. Zinc deficiency associated with hypothyroidism: an overlooked cause of severe alopecia. Int J Trichology. 2013;5(1):40-2.
    6. Nishiyama S, et al. Zinc supplementation alters thyroid hormone metabolism in disabled patients with zinc deficiency. J Am Coll Nutr. 1994;13(1):62-7.
    7. Zimmermann MB, Köhrle J. The impact of iron and selenium deficiencies on iodine and thyroid metabolism. Thyroid. 2002;12(10):867-78.
    8. Soppi ET. Iron deficiency without anemia, a clinical challenge. Clin Case Rep. 2018;6(6):1082-1086.
    9. Erdal M, et al. The relationship between hashimoto thyroiditis and iron deficiency anemia. Turk J Med Sci. 2018;48(4):773-779.
  • Jod und die Schilddrüse: Balance statt Übermaß

    Kaum ein Nährstoff ist so eng mit der Schilddrüse verbunden wie Jod, und kaum einer wird so leicht missverstanden. Beim Thema Jod und die Schilddrüse denken viele, mehr sei automatisch besser. Genau das stimmt nicht. Die Schilddrüse braucht Jod, aber sie reagiert empfindlich, wenn davon zu wenig oder zu viel da ist.

    Es geht also um Balance, nicht um ein einfaches Mehr. Wer trotz Behandlung mit Beschwerden kämpft, sollte Jod deshalb weder verteufeln noch auf eigene Faust hochdosieren. Ein ruhiger, sachlicher Blick hilft mehr als jede Extremposition.

    Jod als Baustein der Schilddrüsenhormone

    Die Schilddrüse baut Jod direkt in ihre Hormone ein. Die Namen der Hormone verraten es sogar: T4 trägt vier Jodatome, T3 trägt drei. Ohne Jod kann die Drüse ihre Hormone schlicht nicht bilden. In diesem Sinn ist Jod der Grundbaustein, aus dem alles Weitere entsteht.

    Später wird bei der Umwandlung von T4 zu T3 gezielt ein Jodatom abgespalten, um das aktive Hormon freizulegen. Wird an anderer Stelle abgespalten, entsteht das inaktive reverse T3. Jod ist also nicht nur am Anfang wichtig, sondern zieht sich durch den gesamten Hormonstoffwechsel.

    Warum zu wenig Jod ein Problem ist

    Fehlt Jod dauerhaft, fehlt der Rohstoff. Die Schilddrüse versucht dann, das Defizit auszugleichen, und kann sich dabei vergrößern. Der klassische Kropf ist historisch ein Zeichen von Jodmangel. In vielen Regionen ist die Versorgung heute durch jodiertes Speisesalz besser geworden, aber selbstverständlich ist eine gute Versorgung damit nicht.

    Ein leichter Mangel bleibt oft unbemerkt, weil die Beschwerden schleichend kommen. Müdigkeit, Frösteln und eine träge laufende Verdauung können dazugehören, überschneiden sich aber mit vielen anderen Ursachen. Deshalb lässt sich ein Jodmangel am Gefühl allein kaum feststellen.

    Warum zu viel Jod ebenso schaden kann

    Genauso wichtig ist die andere Richtung. Zu viel Jod kann die Schilddrüse überfordern und aus dem Takt bringen. Der Körper hat zwar Schutzmechanismen gegen kurzfristige Überschüsse, doch eine dauerhaft sehr hohe Zufuhr, etwa durch hochdosierte Präparate oder große Mengen jodreicher Algen, kann Probleme auslösen statt lösen.

    Besonders heikel ist das bei einer Autoimmun-Erkrankung wie Hashimoto. Hier deutet vieles darauf hin, dass ein Zuviel an Jod das entzündliche Geschehen anheizen kann. Deshalb ist gerade bei Hashimoto Vorsicht angebracht, und eigenmächtige Hochdosierungen sind keine gute Idee.

    Bei Jod gilt kein je mehr, desto besser. Sowohl der Mangel als auch der Überschuss stören die Schilddrüse, und der sichere Bereich dazwischen ist schmaler, als viele denken.
    Merke

    Jod ist der Baustein der Schilddrüsenhormone, aber die Menge entscheidet. Zu wenig bremst die Hormonbildung, zu viel kann besonders bei Hashimoto Schaden anrichten. Gefragt ist Balance.

    Natürliche Jodquellen im Alltag

    Über die normale Ernährung nimmst du Jod aus verschiedenen Lebensmitteln auf. Zu den bekannten Quellen gehören:

    • Seefisch und Meeresfrüchte
    • jodiertes Speisesalz und damit hergestellte Lebensmittel
    • Milch und Milchprodukte, je nach Fütterung der Tiere
    • Eier
    • Meeresalgen, allerdings mit stark schwankendem und teils sehr hohem Jodgehalt

    Vor allem Algen und Algenprodukte sind mit Vorsicht zu genießen, weil ihr Jodgehalt enorm schwanken kann und einzelne Portionen die empfohlene Tagesmenge weit übersteigen. Eine ausgewogene Ernährung mit maßvollem Einsatz jodhaltiger Lebensmittel ist in der Regel der ruhigere Weg. Wie sich das in einen sinnvollen Speiseplan einfügt, liest du unter Ernährung bei Schilddrüsenunterfunktion.

    Vorsichtige Einordnung ohne Zahlenspiele

    Konkrete Dosierungen gehören nicht in einen Ratgeber, sondern in das Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt. Der individuelle Bedarf hängt von deiner Situation ab, etwa davon, ob eine Hashimoto vorliegt, ob du schwanger bist oder welche Medikamente du nimmst. Was für die eine Person sinnvoll ist, kann für die nächste zu viel sein.

    Sinnvoll ist der Grundsatz, Jod weder ängstlich zu meiden noch unkontrolliert hochzudosieren. Eine normale, abwechslungsreiche Ernährung deckt den Bedarf meist gut ab. Wenn du unsicher bist oder eine Schilddrüsenerkrankung hast, ist die Rücksprache mit deiner Ärztin der richtige Weg, bevor du an der Jodmenge etwas veränderst.

    Was du daraus mitnehmen kannst

    Jod ist unverzichtbar für deine Schilddrüse, aber es ist ein Nährstoff mit schmalem Wohlfühlbereich. Balance statt Übermaß ist hier keine Floskel, sondern der Kern der Sache. Geh das Thema besonnen an, verlass dich auf eine ausgewogene Ernährung und hol dir bei einer bekannten Schilddrüsenerkrankung ärztlichen Rat, bevor du gezielt zu Jod greifst.

    Dieser Artikel dient deiner Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Wenn du anhaltende oder auffällige Beschwerden hast, lass sie bitte ärztlich abklären.

  • Ernährung bei Schilddrüsenunterfunktion: was wirklich zählt

    Wenn du eine Schilddrüsenunterfunktion hast, bekommst du früher oder später gut gemeinte Ratschläge zur Ernährung. Meist klingen sie nach Verbot: kein Kohl, kein Soja, bloß nichts Falsches. Das ist selten hilfreich und oft schlicht überzogen. Sinnvolle Ernährung bei Schilddrüsenunterfunktion dreht sich weniger um einzelne Feindbilder und mehr um die Frage, ob dein Körper die Bausteine bekommt, die er für die Hormonbildung und ihre Aktivierung braucht.

    Denn die Schilddrüse bildet vor allem T4, das Speicherhormon. Aktiv wird es erst als T3, und dieser Umbau passiert großteils in Leber und Niere. Dafür sind bestimmte Nährstoffe nötig. Fehlen sie, kann die Umwandlung stocken, selbst wenn du regelmäßig dein Medikament nimmst. Genau hier setzt eine kluge Ernährung an.

    Warum Nährstoffdichte wichtiger ist als Verzicht

    Viele Ernährungsdebatten drehen sich um das Weglassen. Dabei ist die spannendere Frage, was auf dem Teller landet. Der Umbau von T4 zu T3 läuft über Enzyme, die sogenannten Deiodinasen, und die brauchen Cofaktoren. Ohne diese Helfer bleibt ein Teil des Speicherhormons ungenutzt liegen.

    Nährstoffdicht heißt: viel Nährwert pro Bissen. Gemüse, hochwertiges Eiweiß, gute Fette, dazu gezielt jene Mineralstoffe, die für die Schilddrüse eine Rolle spielen. Das ist kein exotisches Programm, sondern gute Alltagskost, nur bewusster zusammengestellt.

    Die wichtigen Cofaktoren über Lebensmittel

    Vier Mikronährstoffe tauchen im Zusammenhang mit der Schilddrüse immer wieder auf. Du musst sie nicht zählen, aber es lohnt sich zu wissen, wo sie stecken. Mehr zur Rolle dieser Stoffe findest du im Beitrag Selen, Zink und Eisen als Cofaktoren.

    • Selen ist an der Aktivierung von T3 direkt beteiligt. Paranüsse liefern besonders viel, schon wenige Stück am Tag decken den Bedarf. Auch Fisch, Eier und Innereien tragen bei.
    • Zink unterstützt sowohl die Hormonbildung als auch die Umwandlung. Es steckt in Fleisch, Käse, Haferflocken, Kürbiskernen und Hülsenfrüchten.
    • Eisen wird für die Schilddrüsenperoxidase gebraucht, ein Schlüsselenzym. Gut verfügbares Eisen findest du in rotem Fleisch, pflanzliches in Linsen, Kichererbsen und grünem Blattgemüse, am besten kombiniert mit Vitamin C.
    • Jod ist der Grundbaustein der Hormone selbst. Hier gilt aber die Devise Maß statt viel, dazu gleich mehr.

    Wenn du dir unsicher bist, ob du gut versorgt bist, lohnt ein Blick auf die Blutwerte. Der Beitrag fT3 und fT4 richtig lesen hilft dir einzuordnen, was diese Werte über deine Zellversorgung aussagen.

    Eiweiß und Darm: die stillen Mitspieler

    Eiweiß liefert die Aminosäure Tyrosin, aus der zusammen mit Jod die Schilddrüsenhormone gebaut werden. Eine chronisch eiweißarme Kost entzieht dem Körper also einen Grundbaustein. Verteile hochwertiges Eiweiß über den Tag, aus Eiern, Fisch, Fleisch, Milchprodukten oder Hülsenfrüchten kombiniert mit Getreide.

    Der Darm spielt eine unterschätzte Rolle. Ein Teil der T4-zu-T3-Umwandlung wird von der Darmflora beeinflusst, und eine träge Verdauung gehört ohnehin zu den häufigen Begleitern der Unterfunktion. Ballaststoffe aus Gemüse, Obst und Vollkorn, ausreichend Flüssigkeit und fermentierte Lebensmittel wie Joghurt oder Sauerkraut halten das System in Bewegung.

    Merke

    Eine gute Ernährung ersetzt keine Therapie. Sie schafft aber die Grundlage, damit dein Körper das nutzen kann, was die Therapie ihm gibt. Ohne die passenden Bausteine bleibt selbst ausreichend Speicherhormon zum Teil ungenutzt.

    Goitrogene: der Kohl-Mythos mit Augenmaß

    Bestimmte Lebensmittel enthalten Stoffe, die in großen Mengen die Jodaufnahme stören können, sogenannte Goitrogene. Dazu gehören Kohlarten, Brokkoli, Blumenkohl und Soja. Daraus wird gern eine Verbotsliste gebastelt. In der Praxis ist das für die meisten Menschen deutlich entspannter.

    Erhitzen baut einen großen Teil dieser Stoffe ab. Gekochter oder gedünsteter Kohl ist also weit unproblematischer als roher in rauen Mengen. Wer nicht literweise rohen Grünkohlsmoothie trinkt, muss auf dieses gesunde Gemüse nicht verzichten. Wichtiger als Meiden ist, dass die Jodversorgung insgesamt stimmt.

    Jod: die Sache mit dem richtigen Maß

    Jod ist Grundbaustein und Stolperstein zugleich. Zu wenig, und die Hormonbildung leidet. Zu viel, gerade bei einer Autoimmunlage wie Hashimoto, kann Schübe begünstigen. Deshalb ist mehr hier nicht automatisch besser. Wie dieser Balanceakt genau aussieht, liest du im Beitrag Jod und Schilddrüse in Balance.

    Für den Alltag heißt das: jodiertes Speisesalz und moderat Seefisch sind für viele ein guter Rahmen. Hochdosierte Jodpräparate auf eigene Faust sind dagegen keine gute Idee und gehören ärztlich begleitet.

    Timing zur Tablette nicht vergessen

    Ernährung und Medikament greifen ineinander. Manche Lebensmittel und Mineralstoffe stören die Aufnahme des Schilddrüsenhormons, wenn du sie zeitgleich einnimmst. Kalzium aus Milchprodukten, Eisenpräparate und der morgendliche Kaffee sind die üblichen Kandidaten.

    Die Tablette gehört nüchtern eingenommen, mit deutlichem Abstand zum Frühstück. Wie du das praktisch löst, ohne dich zu verrenken, steht ausführlich im Beitrag L-Thyroxin richtig einnehmen.

    Ernährung bei Schilddrüsenunterfunktion ist kein Kampf gegen einzelne Lebensmittel, sondern die Frage, ob dein Körper alle Bausteine bekommt, die er für die Hormonarbeit braucht.

    Was du dir merken kannst

    Setze auf Nährstoffdichte statt auf Verbotslisten. Gute Versorgung mit Selen, Zink und Eisen, ausreichend Eiweiß, ein gepflegter Darm und ein vernünftiges Maß an Jod bilden zusammen ein solides Fundament. Kohl und Co. darfst du gekocht bedenkenlos essen. Und halte den zeitlichen Abstand zwischen Tablette und Mahlzeit ein, damit dein Medikament überhaupt ankommt.

    Der wichtigste Satz zum Schluss: Es geht nicht um Perfektion, sondern um Beständigkeit. Eine solide Alltagskost über Wochen bringt mehr als jede Superfood-Kur über drei Tage.

    Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Anhaltende oder auffällige Beschwerden solltest du immer ärztlich abklären lassen. Änderungen an deiner Ernährung oder Medikation besprichst du am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.