Wenn das Hormon da ist, aber nicht ankommt.
Warum bei einer Schilddrüsenunterfunktion Beschwerden bleiben können, obwohl die Blutwerte normal aussehen und Thyroxin eingenommen wird.
Nur ein kleiner Teil des aktiven T3 stammt direkt aus der Schilddrüse. Der Großteil entsteht erst danach, überwiegend in der Leber. In den Mitochondrien der Zelle wird daraus Energie.
Thyroxin ist ein Speicherhormon. Die eigentliche Arbeit beginnt danach.
Bei einer Unterfunktion verschreibt die Ärztin meist L-Thyroxin, also synthetisches T4. Das ist richtig und wichtig. T4 selbst ist im Körper aber kaum aktiv, es ist ein Vorrat. Damit daraus das wirksame T3 wird, muss ein Jodatom abgespalten werden. Diesen Schritt übernehmen Enzyme, die Deiodinasen, und sie sitzen zum großen Teil in der Leber und in der Niere.
Funktioniert dieser Schritt gut, ist alles in Ordnung. Läuft die Umwandlung dagegen schleppend, kann der TSH-Wert im Normbereich liegen und trotzdem zu wenig aktives Hormon in den Zellen ankommen. Genau das beschreibt der Begriff Umwandlungsstörung, und er erklärt, warum sich manche Menschen trotz Therapie weiter erschöpft fühlen.
Die Schilddrüse
Schmetterlingsförmige Drüse am Hals, unter dem Kehlkopf, vor der Luftröhre. Sie wiegt nur 20–25 g, steuert aber nahezu jeden Stoffwechselvorgang im Körper.
Die Schilddrüse nimmt Jod aus der Nahrung auf und baut daraus ihre Hormone: überwiegend T4 (Thyroxin) und in kleiner Menge T3 (Trijodthyronin). Rund 90 % der Produktion ist T4, ein Speicher, der selbst kaum wirkt. Das eigentlich aktive Hormon in den Zellen ist T3. Zusätzlich bildet sie Calcitonin, das den Kalziumhaushalt mitreguliert.
Wie viel produziert wird, entscheidet nicht die Drüse allein, sondern ein Regelkreis mit dem Gehirn, die Schilddrüsen-Achse. Sie arbeitet wie ein Thermostat:
Ein hoher TSH heißt meist: Das Gehirn muss die Drüse antreiben, weil zu wenig Hormon ankommt, ein Hinweis auf eine Unterfunktion. Ein niedriger TSH deutet umgekehrt auf eine Überfunktion. Deshalb ist der TSH der erste Suchtest, aber eben nur der Anfang.
Die Leber
Größtes inneres Organ, rund 1,5 kg. Ohne sie bleibt die Schilddrüsentherapie oft wirkungslos, denn hier wird aus dem Speicherhormon das aktive.
Die Leber ist das zentrale Stoffwechsel- und Entgiftungsorgan. Für die Schilddrüse ist sie entscheidend, weil ein großer Teil der Umwandlung von T4 zu T3 hier stattfindet, mithilfe des Enzyms Deiodinase (Typ 1). Ist die Leber belastet, stockt dieser Schritt, ganz gleich wie gut die Drüse selbst arbeitet.
Woran erkennt man, ob die Leber gut arbeitet? An den Leberwerten im Blut: Sind ALT (GPT), AST (GOT), Gamma-GT und Bilirubin im Normbereich und die Syntheseleistung (Albumin, Blutgerinnung) intakt, spricht das für eine gesunde Leber. Was jeder dieser Werte bedeutet, steht im Laborwerte-Lexikon.
Was passiert, wenn die Umwandlung stockt?
Wechsle den Zustand und beobachte, wie viel aktives T3 in den Zellen ankommt.
Leber und Niere wandeln das T4 zuverlässig in aktives T3 um. Das Hormon erreicht die Zellen, die Therapie greift und die Beschwerden gehen zurück.
Woran man eine Schilddrüsenunterfunktion erkennt
Bei einer Unterfunktion (Hypothyreose) produziert die Drüse zu wenig Hormon oder wird, wie bei Hashimoto, vom Immunsystem angegriffen. Der Stoffwechsel läuft langsamer. Weil die Symptome unspezifisch sind, bleibt sie oft lange unerkannt.
Wichtig: Ein „normaler“ TSH schließt eine Unterfunktion auf Zellebene nicht aus, deshalb lohnt der Blick auf fT3 und das Verhältnis der Werte.
Woran man eine Umwandlungsstörung erkennt
Von einer Umwandlungsstörung spricht man, wenn genug T4 da ist, aber zu wenig davon in aktives T3 umgewandelt wird. Das klassische Zeichen: Beschwerden bleiben trotz Therapie und trotz „normaler“ Werte.
Mögliche Ursachen sind ein Mangel an Selen, Zink oder Eisen, dauerhafter Stress, Entzündungen, eine belastete Leber oder bestimmte Medikamente.
Ein normaler TSH-Wert sagt kaum etwas darüber aus, wie viel aktives Hormon tatsächlich in den Zellen ankommt.
Zwei Tests, die mehr verraten als der TSH allein
Ordne deine Laborwerte richtig ein und miss, ob dein Stoffwechsel wirklich auf Betriebstemperatur läuft. Beides rechnet sofort und bleibt auf diesem Gerät gespeichert.
Trage deinen Laborwert und den Referenzbereich vom Laborbogen ein. Der Rechner zeigt, wo du innerhalb deines Bereichs stehst, viele fühlen sich erst im oberen Drittel wohl.
Sobald du für fT3 oder fT4 Wert und Referenzbereich einträgst, siehst du deine Position im Normbereich in Prozent.
Nach Broda Barnes ist die Körpertemperatur ein verlässlicher Hinweis auf die Schilddrüsenfunktion, oft aussagekräftiger als das Labor.
Miss über mehrere Tage direkt nach dem Aufwachen, noch im Bett. Trage die Werte hier ein, der Durchschnitt zählt.
Trage die Temperatur von mindestens drei Morgen ein. Schon eine kurze Reihe zeigt eine erste Tendenz.
Beide Werkzeuge dienen der Orientierung und ersetzen keine ärztliche Diagnose. Besprich auffällige Ergebnisse mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Laborwerte-Lexikon
Was welcher Wert aussagt, kompakt erklärt. Die angegebenen Bereiche sind Orientierung und hängen vom Labor und der verwendeten Einheit ab. Maßgeblich ist immer der Referenzbereich auf deinem eigenen Befund.
Alle Bereiche sind grobe Orientierungswerte und ersetzen keine ärztliche Befundung. Einheiten und Referenzbereiche unterscheiden sich je nach Labor.
Beiträge
Umwandlungsstörung: der vollständige Überblick
Von der Hormonbildung bis zur Wirkung in der Zelle, und an welchen Stellen der Weg klemmen kann.
Die Leber als Werkstatt der Schilddrüsenhormone
Warum die Lebergesundheit direkt darüber entscheidet, wie gut aus T4 aktives T3 wird.
Temperaturmethode nach Broda Barnes richtig anwenden
Wie du in einer Woche misst, was das Labor manchmal übersieht, Schritt für Schritt.
fT3, fT4 und reverse T3 richtig lesen
Welche Werte über die tatsächliche Versorgung der Zellen etwas aussagen, und welche nicht.
Selen, Zink und Eisen: die stillen Helfer
Welche Mikronährstoffe die Umwandlung antreiben und woran ein Mangel erkennbar wird.