Selen, Zink und Eisen: die stillen Helfer der Umwandlung

Wenn deine Schilddrüsenwerte laut Labor in Ordnung sind, du dich aber trotzdem müde, kalt und ausgelaugt fühlst, lohnt ein Blick auf drei Spurenelemente, die im Standardbefund oft fehlen. Selen, Zink und Eisen arbeiten bei der Schilddrüse im Hintergrund, und genau deshalb werden sie leicht übersehen. Das Thema Selen Zink Eisen Schilddrüse ist deshalb interessant, weil es erklärt, warum die Umwandlung von Speicherhormon in aktives Hormon manchmal stockt, obwohl mit der Drüse selbst alles stimmt.

Die Schilddrüse produziert überwiegend T4, ein weitgehend inaktives Speicherhormon. Wirksam wird es erst, wenn im Gewebe ein Jodatom abgespalten und daraus T3 gebildet wird. Für diesen Schritt und für einige Schritte davor braucht der Körper Cofaktoren. Fehlt einer davon, kann trotz gut eingestellter Blutwerte zu wenig aktives Hormon dort ankommen, wo es gebraucht wird.

Warum diese drei die Umwandlung erst möglich machen

Die Enzyme, die T4 in T3 umwandeln, heißen Deiodasen. Es gibt drei Typen, DIO1 vor allem in Leber und Niere, DIO2 unter anderem im Gehirn und in der Muskulatur, DIO3 baut Hormone wieder ab. Alle drei sind Selenoproteine. Ohne Selen können sie ihre Arbeit nicht tun. Das ist der direkteste Grund, warum Selen für die aktive Hormonform so wichtig ist. Mehr zu diesem Grundmechanismus findest du im Beitrag zur Umwandlungsstörung im Überblick.

Zink setzt an einer anderen Stelle an. Es steckt in den sogenannten Zinkfinger-Strukturen der T3-Rezeptoren. Diese fingerförmigen Proteinabschnitte werden durch ein Zink-Ion stabilisiert und ermöglichen es dem Rezeptor, an die DNA zu binden und Gene zu aktivieren. Ohne funktionierende Rezeptoren wirkt T3 nicht, egal wie viel davon im Blut kreist. Zink ist außerdem an der T4-zu-T3-Umwandlung selbst und an der Bildung von TSH beteiligt.

Eisen wiederum ist ein Kofaktor der Thyreoperoxidase, kurz TPO. Dieses Enzym baut Jod in die Hormone ein und ist ein Hämoprotein, es enthält Eisen im aktiven Zentrum. Fehlt Eisen, sinkt die TPO-Aktivität und die Hormonproduktion wird gedrosselt. Zusätzlich brauchen die umwandelnden Enzyme Energie und Sauerstoff, beides hängt am Eisenstatus.

Merke

Selen treibt die Deiodasen an, Zink macht die Rezeptoren funktionsfähig, Eisen ermöglicht die Hormonproduktion. Die drei arbeiten synergistisch. Ein Mangel an einem verstärkt den Effekt der anderen, deshalb reicht es selten, nur ein einziges Spurenelement zu betrachten.

Was ein Mangel bewirkt

Das Tückische ist die Überlappung mit den klassischen Symptomen einer Unterfunktion. Müdigkeit, Haarausfall, Kälteempfindlichkeit, Konzentrationsprobleme und trockene Haut können sowohl von der Schilddrüse als auch von einem Spurenelementmangel kommen. Deshalb wird der eigentliche Auslöser oft übersehen.

  • Selenmangel: reduzierte T4-zu-T3-Umwandlung, dadurch weniger aktives Hormon, verstärkter oxidativer Stress in der Drüse. Die Schweiz und Deutschland gelten als leichte Selenmangelgebiete.
  • Zinkmangel: eine Art Hormonresistenz. T3 ist im Blut vorhanden, kann aber wegen instabiler Zinkfinger nicht richtig an die Rezeptoren binden, die Gene werden nicht aktiviert. Symptome trotz guter Werte sind die Folge.
  • Eisenmangel: gedrosselte Hormonproduktion über die TPO, dazu eine Konstellation, die dem Low-T3-Syndrom ähnelt, mit fT3 im unteren Bereich bei normalem oder leicht erhöhtem TSH.

Studien zeigen, dass Frauen mit Eisenmangel häufiger erhöhte TSH-Werte haben und dass sich TSH nach Auffüllen der Eisenspeicher normalisieren kann. Bei Hashimoto kommt Eisenmangel besonders oft vor, unter anderem durch die bei Unterfunktion verlangsamte Magensäureproduktion, durch stärkere Menstruationsblutungen und durch begleitende Erkrankungen wie Zöliakie. So entsteht ein Kreislauf, in dem sich Schilddrüsenproblem und Eisenmangel gegenseitig verstärken. Wie sich niedriges fT3 im Laborbild zeigt, liest du im Beitrag fT3, fT4 und reverse T3 richtig lesen.

Wie man einen Mangel erkennt

Für jedes der drei Elemente gibt es sinnvolle Marker, und für jeden gilt ein Laborvorbehalt. Werte schwanken, und der Normbereich ist nicht immer das funktionelle Optimum. Die folgenden Zahlen stammen aus den Quellen und dienen nur der Orientierung, die Einordnung gehört in ärztliche Hand.

Eisen: Ferritin statt nur Hämoglobin

Der aussagekräftigste Wert ist Ferritin, das Speichereisen. Es fällt lange bevor das Hämoglobin absinkt, ein normales Hämoglobin schließt einen Ferritinmangel also nicht aus. In den Quellen gelten Werte unter 30 µg/L als eindeutiger Mangel, 30 bis 50 µg/L als suboptimal, und als guter bis optimaler Bereich bei Schilddrüsenerkrankungen werden 70 bis 100 µg/L genannt. Wichtig, Ferritin ist ein Akute-Phase-Protein und kann bei Entzündung falsch hoch sein, deshalb sollte CRP mitbestimmt werden.

Selen: Serum oder Vollblut

Am häufigsten wird Selen im Serum gemessen, mit einem Normbereich um 70 bis 150 µg/L, wobei Werte über 100 µg/L als günstig gelten. Aussagekräftiger für die Langzeitversorgung ist Selen im Vollblut, ein funktioneller Marker ist Selenoprotein P. Sinnvoll ist, den Status vor einer möglichen Supplementierung zu kennen, denn bei bereits guten Werten bringt zusätzliches Selen nichts und kann bei dauerhaftem Überkonsum sogar schaden.

Zink: schwieriger zu messen

Zink ist diagnostisch am schwersten zu fassen, weil nur ein winziger Bruchteil des Körperzinks im Serum zirkuliert und der Wert durch Tageszeit, Mahlzeiten und Entzündungen verzerrt wird. Serum-Zink wird morgens nüchtern gemessen, sinnvollerweise zusammen mit CRP, Vollblut-Zink gilt als stabiler. Ein Wert im unteren Normbereich kann funktionell bereits knapp sein. Symptome wie Geschmacks- und Geruchsstörungen sind vergleichsweise typisch für einen Zinkmangel.

Was die Datenlage bei Hashimoto zeigt

Am besten untersucht ist Selen. Mehrere Meta-Analysen und randomisierte Studien zeigen, dass eine Supplementierung, in den Studien meist mit 200 µg täglich über drei bis zwölf Monate, die TPO-Antikörper signifikant senken kann, oft um 20 bis 50 Prozent, besonders bei hohen Ausgangswerten und bestehendem Selenmangel. Auf die eigentlichen Schilddrüsenhormone TSH und fT4 hat Selen allein meist keinen messbaren Effekt, und ob die Antikörpersenkung sich in besseren Symptomen niederschlägt, ist uneinheitlich. Ein Cochrane-Review kam entsprechend zu einer vorsichtigen Einschätzung.

Für Zink ist die Datenlage dünner. Tierstudien zeigen, dass Zinkmangel die T3-Konzentration senkt, beim Menschen ist der Zusammenhang plausibel, aber weniger eindeutig belegt. Für Eisen gilt, dass ein Ausgleich eines nachgewiesenen Mangels erhöhte TSH-Werte normalisieren kann, hier geht es also weniger um Hashimoto direkt als um die Behebung eines Mangels, der die Schilddrüsenfunktion zusätzlich belastet. Der rote Faden bleibt, ein Ausgleich hilft dort, wo wirklich ein Mangel besteht, nicht als pauschale Maßnahme. Mehr zum Krankheitsbild selbst findest du unter Hashimoto verstehen.

Was diese Nährstoffe nicht können

So wichtig Selen, Zink und Eisen für die Umwandlung sind, ihre Grenzen sind klar. Sie ersetzen kein L-Thyroxin. Wer eine echte Unterfunktion hat, braucht die Hormonersatztherapie, daran ändern Spurenelemente nichts. Sie heilen auch keine Hashimoto-Thyreoiditis. Selen kann die Autoimmunaktivität messbar dämpfen, aber die Erkrankung bleibt bestehen. Und mehr ist nicht besser. Gerade bei Selen ist der Abstand zwischen Nutzen und Toxizität schmal, dauerhaft über 300 bis 400 µg täglich drohen Vergiftungserscheinungen, paradoxerweise mit denselben Symptomen wie beim Mangel, etwa Haarausfall und brüchigen Nägeln. Auch dauerhaft hohe Zinkdosen können einen Kupfermangel verursachen, und zu viel Eisen ist ebenfalls schädlich.

Deshalb ist die Reihenfolge entscheidend. Erst messen, dann bei nachgewiesenem oder gut begründetem Mangel und in ärztlicher Begleitung handeln, nicht umgekehrt. Ein pauschales Kombipräparat auf Verdacht kann mehr Probleme schaffen als lösen.

Die Inhalte dieses Beitrags dienen der Information und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Spurenelemente sollten nur bei nachgewiesenem Mangel und nach ärztlicher Rücksprache ergänzt werden, insbesondere bei bestehender Schilddrüsenerkrankung. Wenn du trotz Behandlung anhaltende oder auffällige Beschwerden hast, lass das ärztlich abklären.

Quellen

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