Haarausfall bei Schilddrüsenunterfunktion

Wenn nach dem Duschen mehr Haare im Abfluss liegen als sonst und der Zopf spürbar dünner wird, verunsichert das zutiefst. Haarausfall bei Schilddrüse ist ein häufiges und belastendes Thema, gerade weil die Haare so eng mit dem Gefühl von Gesundheit und Aussehen verknüpft sind. Die gute Nachricht vorweg: Diese Art von Haarausfall ist oft vorübergehend und lässt sich in vielen Fällen positiv beeinflussen, wenn man die Ursache versteht.

Die Schilddrüse hat einen direkten Draht zu deinen Haaren. Ihre Hormone bestimmen mit, in welchem Takt Haare wachsen, ruhen und ausfallen. Gerät dieser Takt durcheinander, zeigt sich das oben auf dem Kopf, manchmal mit Verzögerung von Wochen bis Monaten.

Wie Schilddrüsenhormone den Haarzyklus steuern

Jedes Haar durchläuft einen Zyklus: eine lange Wachstumsphase, eine kurze Übergangsphase und eine Ruhephase, an deren Ende das Haar ausfällt und ein neues nachwächst. Normalerweise ist immer nur ein kleiner Teil deiner Haare in dieser Ausfallphase, deshalb verlierst du täglich nur eine überschaubare Menge.

Schilddrüsenhormone, vor allem das aktive T3, wirken direkt an der Haarwurzel und halten die Wachstumsphase in Gang. Bei einer Unterfunktion fehlt dieser Antrieb. Mehr Haare rutschen gleichzeitig in die Ruhephase und fallen später gebündelt aus. Das erklärt, warum der Haarausfall oft diffus über den ganzen Kopf verteilt ist und nicht an einer einzelnen Stelle. Wie die Umwandlung zu aktivem T3 funktioniert, liest du im Beitrag Umwandlungsstörung im Überblick.

Warum die Haare auch bei behandelter Unterfunktion ausgehen

Besonders zermürbend ist es, wenn die Schilddrüse längst behandelt wird und die Haare trotzdem dünner werden. Dafür gibt es mehrere Erklärungen. Zum einen hinkt der Haarzyklus zeitlich hinterher: Ein Ausfall, der jetzt sichtbar wird, wurde oft vor Monaten angestoßen, als die Werte noch schlechter waren. Die Haare zeigen also die Vergangenheit.

Zum anderen genügt ein normaler TSH nicht immer. Wenn die Umwandlung von T4 zu T3 stockt, kommt an der Haarwurzel womöglich zu wenig aktives Hormon an, obwohl die Standardwerte in Ordnung aussehen. Der Beitrag fT3 und fT4 richtig lesen hilft dir zu verstehen, welche Werte hier wirklich zählen.

Merke

Der Haarzyklus reagiert mit Verzögerung. Was du heute im Abfluss siehst, wurde oft vor zwei bis drei Monaten ausgelöst. Umgekehrt braucht auch die Besserung Geduld: Neues Haar wächst langsam nach, sichtbare Erfolge zeigen sich selten über Nacht.

Die unterschätzte Rolle von Ferritin und Eisen

Ein Wert wird beim Thema Haarausfall oft übersehen: Ferritin, der Speicherwert für Eisen. Die Haarwurzeln gehören zu den stoffwechselaktivsten Zellen im Körper und reagieren empfindlich auf einen niedrigen Eisenspeicher. Ferritin kann zu niedrig sein, lange bevor eine klassische Blutarmut entsteht.

Für Haare gilt: Der Wert sollte nicht nur knapp über der unteren Grenze liegen, sondern komfortabel im Bereich, damit die Wurzeln ausreichend versorgt sind. Eisen ist zugleich ein Cofaktor bei der Umwandlung von T4 zu T3, hier greifen also zwei Baustellen ineinander. Mehr dazu findest du im Beitrag Selen, Zink und Eisen.

Neben Eisen spielen weitere Bausteine eine Rolle für kräftiges Haar:

  • Zink ist am Aufbau der Haarstruktur beteiligt und unterstützt die Schilddrüse.
  • Eiweiß liefert das Baumaterial, aus dem Haar überhaupt besteht.
  • Vitamin D und Biotin werden im Zusammenhang mit dem Haarwachstum häufig genannt.
  • Ein stabiler, gut eingestellter Schilddrüsenstoffwechsel als Grundlage.

Was die Regeneration begünstigt

Haare wachsen langsam, deshalb braucht es hier vor allem Geduld und beständige Bedingungen. Sinnvoll ist, die Schilddrüse gut einstellen zu lassen und dabei nicht nur auf den TSH zu schauen. Ebenso lohnt es, den Ferritinwert prüfen und bei Bedarf gezielt auffüllen zu lassen, am besten ärztlich begleitet, denn Eisen ist nichts, was man wahllos hochdosieren sollte.

Dazu kommt eine nährstoffdichte Ernährung mit genug Eiweiß, und ein realistischer Umgang mit der eigenen Erwartung. Wenn die Ursachen behoben sind, erholt sich der Haarzyklus meist wieder, aber sichtbar wird das erst nach Monaten. Übrigens gehen Haarausfall und andere Beschwerden oft Hand in Hand, etwa mit anhaltender Erschöpfung, wie der Beitrag Müdigkeit trotz Thyroxin zeigt.

Haarausfall bei der Schilddrüse ist selten eine Sackgasse. Er ist ein sichtbares Signal, dass an der Wurzel etwas fehlt, und Signale kann man lesen und beantworten.

Was du mitnehmen kannst

Schilddrüsenhormone steuern den Takt deiner Haare, und eine Unterfunktion bringt diesen Takt aus dem Gleichgewicht. Dass Haare auch bei behandelter Schilddrüse ausgehen, liegt oft an der zeitlichen Verzögerung, an einer stockenden Umwandlung oder an einem niedrigen Eisenspeicher. Lass deshalb neben den Schilddrüsenwerten auch das Ferritin prüfen und gib dem Ganzen Zeit. Der Haarzyklus lässt sich nicht überreden, aber er lässt sich zurück ins Gleichgewicht bringen.

Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Anhaltender oder plötzlicher Haarausfall hat viele mögliche Ursachen und sollte ärztlich abgeklärt werden. Welche Werte und Maßnahmen für dich sinnvoll sind, besprichst du am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.