Tag: Unterfunktion

  • Den TSH-Wert richtig deuten

    Wenn deine Schilddrüse überprüft wird, steht fast immer ein einziger Wert im Mittelpunkt: der TSH Wert. Er ist der am häufigsten gemessene Parameter der Schilddrüsendiagnostik, günstig, schnell und empfindlich. Genau deshalb entscheidet er oft darüber, ob weiter untersucht wird oder ob es beim Satz bleibt, die Schilddrüse sei ja in Ordnung.

    Das Problem: TSH ist ein Steuersignal, kein direktes Mass für die Hormone, die in deinen Zellen ankommen. Ein Wert im Normbereich kann beruhigen, muss es aber nicht. Um zu verstehen, warum, lohnt sich ein Blick auf den Regelkreis dahinter und darauf, was der Wert leistet und was nicht.

    Was TSH überhaupt ist

    TSH steht für Thyreoidea-stimulierendes Hormon, auch Thyreotropin genannt. Es wird nicht in der Schilddrüse gebildet, sondern in der Hypophyse, der Hirnanhangsdrüse im Gehirn. Seine Aufgabe ist einfach beschrieben: Es weist die Schilddrüse an, wie viel Hormon sie produzieren soll. TSH bindet an Rezeptoren der Schilddrüsenzellen, fördert die Jodaufnahme und regt die Bildung und Freisetzung von T4 und T3 an.

    TSH ist damit Teil eines fein abgestimmten Regelkreises zwischen Hypothalamus, Hypophyse und Schilddrüse, der sogenannten HPT-Achse. Der Hypothalamus gibt den Takt vor, die Hypophyse setzt ihn mit TSH um, die Schilddrüse liefert. Das Ganze funktioniert wie ein Thermostat mit negativer Rückkopplung.

    • Sind zu wenig Schilddrüsenhormone im Blut, bemerkt die Hypophyse den Mangel und schüttet mehr TSH aus. Der TSH Wert steigt.
    • Ist genug Hormon vorhanden, hält die Hypophyse die Produktion konstant. Der TSH Wert bleibt normal.
    • Sind zu viele Hormone unterwegs, drosselt die Hypophyse die Ausschüttung. Der TSH Wert sinkt.

    Warum hoch Unterfunktion heisst

    Der entscheidende Punkt, der viele verwirrt: TSH verhält sich umgekehrt zu den Schilddrüsenhormonen. Ein hoher TSH Wert bedeutet nicht viel Schilddrüsenhormon, sondern das Gegenteil. Die Hypophyse ruft laut, weil die Schilddrüse zu wenig liefert. Ein hoher Wert spricht also für eine Unterfunktion, ein niedriger für eine Überfunktion.

    Genau diese Empfindlichkeit macht TSH so beliebt als Screening-Test. Die Hypophyse reagiert schon auf kleinste Veränderungen der Schilddrüsenhormone, oft bevor fT4 oder fT3 selbst den Normbereich verlassen. Kleine Verschiebungen der Hormone führen zu vergleichsweise grossen TSH-Änderungen. Wenn du nur einen einzigen Wert bestimmen lassen kannst, ist TSH deshalb meist die sinnvollste erste Wahl.

    Der Normbereich und die Diskussion um die obere Grenze

    Die meisten Labore geben den Referenzbereich mit etwa 0,4 bis 4,0 mU/L an. Grob lässt sich das so einordnen, wobei die genauen Grenzen je nach Labor leicht schwanken:

    • unter 0,1 mU/L: supprimiert, Hinweis auf eine deutliche Überfunktion oder eine Überdosierung von L-Thyroxin
    • 0,1 bis 0,4 mU/L: erniedrigt, oft eine subklinische Überfunktion, Kontrolle sinnvoll
    • 0,4 bis 4,0 mU/L: Normbereich nach Laborstandard
    • 4,0 bis 10,0 mU/L: leicht erhöht, meist eine subklinische Unterfunktion, fT4 noch normal
    • über 10,0 mU/L: stark erhöht, meist manifeste Unterfunktion, fT4 häufig erniedrigt

    So klar diese Tabelle wirkt, so umstritten ist ihre obere Grenze. Der Referenzbereich basiert auf Messungen in der Allgemeinbevölkerung, und darin stecken auch Menschen mit einer noch unerkannten Schilddrüsenerkrankung. Schliesst man in Studien gezielt jene Personen aus, die erhöhte Schilddrüsen-Antikörper tragen, rutscht die obere Grenze auf etwa 2,5 bis 3,0 mU/L nach unten. Manche Fachleute plädieren unter Therapie für einen engeren Zielbereich, etwa 0,5 bis 2,5 mU/L.

    Dazu kommt, dass jeder Mensch seinen eigenen, recht engen Sollwert hat. Der individuelle Schwankungsbereich ist deutlich schmaler als der breite Referenzbereich des Labors. Ein TSH von 3,5 ist statistisch noch normal, muss sich für dich aber nicht gleich anfühlen wie ein Wert um 1,0.

    Merke

    Normal ist nicht automatisch optimal. Der Referenzbereich beschreibt eine Bevölkerung, nicht deinen persönlichen Wohlfühlbereich. Ein guter Befund berücksichtigt deine Beschwerden, nicht nur die Zahl.

    Warum ein normaler TSH keine gute Zellversorgung garantiert

    TSH misst das Steuersignal der Hypophyse, nicht die Hormonmenge, die tatsächlich in deinen Zellen wirkt. Das ist der Kern des Problems. Es gibt mehrere Situationen, in denen der TSH Wert unauffällig aussieht und trotzdem nicht das ganze Bild zeigt.

    • Der grösste Teil des aktiven T3 entsteht nicht in der Schilddrüse, sondern durch Umwandlung von T4 in Geweben wie Leber und Nieren. Läuft diese Umwandlung schlecht, kann fT3 niedrig sein, während TSH und fT4 normal bleiben. Mehr dazu liest du im Überblick zur Umwandlung von T4 zu T3.
    • Unter einer L-Thyroxin-Therapie zeigt TSH, ob die Dosis grob passt. Ob genug aktives Hormon in den Zellen ankommt, sagt eher fT3.
    • Bei einem Problem der Hypophyse selbst, der zentralen Unterfunktion, kann TSH normal oder niedrig sein, obwohl zu wenig Schilddrüsenhormon vorhanden ist.
    • Nach einer Dosisänderung braucht TSH vier bis sechs Wochen, um sich einzupendeln. In dieser Zeit hinkt der Wert der Realität hinterher.

    Wenn Beschwerden wie Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit oder Konzentrationsprobleme trotz normalem TSH bestehen bleiben, ist das ein Grund, genauer hinzusehen, statt sich mit dem einen Wert zufriedenzugeben.

    Welche Werte du ergänzend testen lassen solltest

    TSH ist der Türöffner, nicht das ganze Haus. Ist er auffällig oder hast du hartnäckige Symptome, ergeben weitere Werte ein deutlich klareres Bild. Diese Parameter sind je nach Situation sinnvoll:

    • fT4, das freie Thyroxin: das Hauptprodukt der Schilddrüse und ein Speicherhormon. Bei jedem auffälligen TSH und zur Therapiekontrolle gehört es dazu. Orientierung etwa 0,7 bis 1,9 ng/dL.
    • fT3, das freie Trijodthyronin: das biologisch aktive Hormon, das direkt an den Zellen wirkt. Es lohnt sich vor allem bei anhaltenden Beschwerden und bei Verdacht auf eine Umwandlungsstörung. Orientierung etwa 2,3 bis 4,2 pg/mL. Wie du diese freien Werte zusammen liest, zeigt der Beitrag zu fT3, fT4 und Reverse T3.
    • Antikörper, vor allem TPO-AK: erhöht bei rund 90 Prozent der Menschen mit Hashimoto, ergänzend Tg-AK. Sie klären, ob eine Autoimmunursache dahintersteckt. Bei Verdacht auf eine Überfunktion vom Typ Morbus Basedow sind stattdessen die TRAK relevant. Hintergründe findest du unter Hashimoto verstehen.

    Gemessen wird bewusst das freie Hormon, denn rund 99 Prozent der Schilddrüsenhormone sind im Blut an Transportproteine gebunden und damit inaktiv. Nur der freie Anteil wirkt an den Zellen. Antikörper wiederum müssen nicht immer wieder kontrolliert werden, ihre Höhe schwankt natürlich und sagt wenig über den Verlauf. Eine einmalige Bestimmung zur Diagnose reicht meist. Bleiben Beschwerden trotz normaler Schilddrüsenwerte bestehen, lohnt zusätzlich der Blick auf Ferritin, Vitamin D und Vitamin B12, denn deren Mangel verursacht sehr ähnliche Symptome.

    Worauf du bei der Messung achten kannst

    TSH ist kein starrer Wert. Er folgt einem Tagesrhythmus und ist morgens am höchsten, teils bis zu 50 Prozent höher als am Nachmittag. Auch Jahreszeit, Alter, Schwangerschaft, akute Erkrankungen und diverse Medikamente wie Kortison, Metformin oder Biotin können ihn verschieben. Für vergleichbare Ergebnisse solltest du deshalb möglichst immer zur gleichen Tageszeit messen lassen, idealerweise morgens. Wenn du L-Thyroxin nimmst, gehört die Tablette erst nach der Blutabnahme eingenommen, sonst verfälscht sie den Wert.

    Ergibt sich ein auffälliger TSH, hilft die Kombination aus TSH und fT4, die Richtung einzuordnen. Ein hoher TSH mit erniedrigtem fT4 spricht für eine manifeste Unterfunktion, ein hoher TSH bei normalem fT4 für eine subklinische Form. Wie sich eine Unterfunktion insgesamt zeigt, beschreibt der Beitrag zum Erkennen einer Schilddrüsenunterfunktion.

    Wichtig zum Schluss: Diese Inhalte dienen der Information und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Laborwerte gehören immer in den klinischen Zusammenhang eingeordnet. Wenn du auffällige oder anhaltende Beschwerden hast, lass sie ärztlich abklären und ändere eine bestehende Therapie nie eigenmächtig.

    Quellen

    1. Garber JR, et al. Clinical practice guidelines for hypothyroidism in adults. Thyroid. 2012;22(12):1200-35.
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    10. Pearce SH, et al. 2013 ETA Guideline: Management of Subclinical Hypothyroidism. Eur Thyroid J. 2013;2(4):215-28.
  • Temperaturmethode nach Broda Barnes richtig anwenden

    Manchmal braucht es kein aufwendiges Labor, um ein erstes Gefühl für den eigenen Stoffwechsel zu bekommen. Die Basaltemperatur und ihre Beziehung zur Schilddrüse ist so ein einfacher Zugang. Der amerikanische Arzt Broda Barnes hat schon vor Jahrzehnten beobachtet, dass die morgendliche Körpertemperatur etwas über die Aktivität der Schilddrüse verraten kann.

    Die Idee dahinter ist gut nachvollziehbar. Schilddrüsenhormone treiben den Stoffwechsel an, und ein Teil dieser Energie wird als Wärme frei. Läuft der Motor niedriger, kann die Temperatur im Ruhezustand entsprechend niedriger liegen. Die Methode ersetzt keine Untersuchung, sie kann dir aber helfen, dein Körpergefühl mit einer messbaren Zahl zu unterlegen.

    Was die Basaltemperatur mit der Schilddrüse zu tun hat

    Als Basaltemperatur bezeichnet man die niedrigste Körpertemperatur des Tages, gemessen direkt nach dem Aufwachen, bevor du dich bewegst. Zu diesem Zeitpunkt ist der Körper noch nicht durch Aktivität, Essen oder Kälte beeinflusst. Genau das macht den Wert so brauchbar, er zeigt den Grundumsatz im Ruhezustand.

    Broda Barnes ging davon aus, dass eine dauerhaft niedrige Basaltemperatur auf einen träge laufenden Stoffwechsel hindeuten kann, wie er bei einer Unterfunktion vorkommt. Die Temperatur ist dabei ein Indikator unter mehreren, kein Beweis. Sie passt gut zu den übrigen Zeichen, die du vielleicht schon von dir kennst, etwa wenn du dich mit dem Thema Frieren und Kälteempfindlichkeit beschäftigt hast.

    Schritt für Schritt richtig messen

    Die Methode steht und fällt mit der sauberen Durchführung. Wenn du sie ausprobieren willst, halte dich an diese Punkte:

    • Thermometer bereitlegen. Leg ein Fieberthermometer schon am Abend in Reichweite neben das Bett, damit du dich morgens nicht dafür aufsetzen musst.
    • Vor dem Aufstehen messen. Miss direkt nach dem Aufwachen im Liegen, noch bevor du aufstehst, zur Toilette gehst oder etwas trinkst. Jede Bewegung verfälscht den Wert nach oben.
    • Immer gleich messen. Nutze jeden Tag dieselbe Messstelle und dieselbe Uhrzeit, so gut es geht. Konstanz ist wichtiger als die Wahl der Stelle.
    • Über mehrere Tage. Ein einzelner Morgen sagt wenig. Miss über mindestens fünf bis sieben aufeinanderfolgende Tage und schreib jeden Wert auf.
    • Zyklus beachten. Wenn du einen Zyklus hast, steigt die Temperatur nach dem Eisprung natürlicherweise an. Miss deshalb am besten in den ersten Tagen nach Beginn der Periode, wenn die Werte am stabilsten sind.

    Die Schwelle 36,8 Grad und wie du deinen Durchschnitt deutest

    Broda Barnes nannte einen Bereich von etwa 36,6 bis 36,8 Grad Celsius als Orientierung für eine normale morgendliche Temperatur. Die 36,8 Grad haben sich als praktische Schwelle eingebürgert. Entscheidend ist aber nicht der einzelne Tag, sondern der Durchschnitt über deine Messwoche.

    Rechne dazu die Werte deiner Messtage zusammen und teile sie durch die Anzahl der Tage. Liegt dieser Durchschnitt deutlich und wiederholt unter 36,6 Grad, kann das ein Hinweis auf einen niedrigen Grundumsatz sein, den du im Hinterkopf behalten und ansprechen kannst. Liegt er im Bereich um 36,7 bis 36,8 Grad, spricht das eher für einen normal laufenden Ruhestoffwechsel.

    Nicht ein einzelner Morgen zählt, sondern das ruhige Mittel über mehrere Tage. Ein Ausreißer ist ein Ausreißer, kein Ergebnis.
    Merke

    Miss die Basaltemperatur im Liegen vor dem Aufstehen, über mehrere Tage, und bilde den Durchschnitt. Die Schwelle 36,8 Grad ist eine Orientierung, kein starres Urteil.

    Die Grenzen der Methode

    So charmant einfach die Methode ist, sie hat klare Grenzen. Die Körpertemperatur schwankt aus vielen Gründen, die nichts mit der Schilddrüse zu tun haben. Ein beginnender Infekt, schlechter Schlaf, Alkohol am Vorabend, die Raumtemperatur oder hormonelle Schwankungen im Zyklus wirken sich alle aus.

    Deshalb ist die Temperatur ein Puzzleteil, nicht die Diagnose. Sie kann dir helfen, dein Bauchgefühl in eine Zahl zu übersetzen und aufmerksam zu werden. Sie kann aber die Blutwerte nicht ersetzen. Wie du diese liest, erklären wir dir unter anderem beim Thema TSH-Wert richtig deuten. Am aussagekräftigsten wird das Bild, wenn du deine Temperaturkurve zusammen mit deinen Symptomen und den Laborwerten betrachtest.

    Was du daraus mitnehmen kannst

    Die Temperaturmethode nach Broda Barnes ist ein günstiges, ehrliches Werkzeug zur Selbstbeobachtung. Sie kostet dich nur ein Thermometer und ein paar Minuten am Morgen. Nutze sie als ersten Anhaltspunkt und als Gesprächsgrundlage, nicht als endgültiges Urteil über deine Schilddrüse.

    Dieser Artikel dient deiner Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Wenn du anhaltende oder auffällige Beschwerden hast, lass sie bitte ärztlich abklären.

  • Hashimoto-Thyreoiditis verständlich erklärt

    Hashimoto ist die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion in den Industrieländern. Hinter dem Namen steckt eine Autoimmunerkrankung, bei der sich das eigene Immunsystem gegen die Schilddrüse richtet. Schätzungen zufolge sind fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung betroffen, Frauen etwa zehnmal häufiger als Männer. Beschrieben wurde die Krankheit erstmals 1912 vom japanischen Arzt Hakaru Hashimoto, daher der Name.

    Das Tückische daran: Die Erkrankung entwickelt sich langsam, oft über Jahre, und die ersten Beschwerden sind so unspezifisch, dass sie leicht mit Stress, dem Alter oder einer Erschöpfung verwechselt werden. Dieser Text erklärt dir in Ruhe, was bei Hashimoto im Körper passiert, wie die Erkrankung verläuft und wie sie zuverlässig festgestellt wird.

    Was bei Hashimoto im Körper passiert

    Normalerweise unterscheidet das Immunsystem sauber zwischen körpereigenem Gewebe und fremden Eindringlingen wie Viren oder Bakterien. Bei einer Autoimmunerkrankung geht diese Unterscheidung verloren. Bei Hashimoto bildet der Körper Abwehrstoffe gegen die eigene Schilddrüse und behandelt das Organ so, als wäre es ein Fremdkörper.

    Die Folge ist eine chronische Entzündung. Immunzellen wandern in das Schilddrüsengewebe ein, gleichzeitig greifen Antikörper wichtige Bausteine der Hormonproduktion an. Über die Jahre wird immer mehr funktionsfähiges Gewebe zerstört und durch Bindegewebe ersetzt. Man spricht von einer Fibrose. Weil die Schilddrüse dadurch weniger Hormone bilden kann, entsteht schrittweise eine Unterfunktion. Wie du eine Schilddrüsenunterfunktion erkennst, hängt stark davon ab, wie weit dieser Prozess bereits fortgeschritten ist.

    TPO- und Tg-Antikörper: die Spuren des Immunangriffs

    Zwei Antikörper stehen bei Hashimoto im Mittelpunkt. Sie sind gewissermaßen die Fingerabdrücke, die der Autoimmunprozess im Blut hinterlässt.

    • Anti-TPO-Antikörper richten sich gegen das Enzym Thyreoperoxidase, das für die Hormonbildung unverzichtbar ist. Sie lassen sich bei rund 90 bis 95 Prozent der Betroffenen nachweisen und sind damit der wichtigste Marker.
    • Anti-Tg-Antikörper greifen das Thyreoglobulin an, eine Vorstufe der Schilddrüsenhormone. Sie sind bei etwa 60 bis 80 Prozent erhöht, gelten aber als weniger aussagekräftig.

    Neben den Antikörpern spielen bestimmte Immunzellen eine tragende Rolle. Sie aktivieren weitere Abwehrzellen, die das Schilddrüsengewebe direkt angreifen. Wichtig zu wissen: Etwa 10 bis 15 Prozent der Betroffenen haben trotz eindeutiger Erkrankung keine nachweisbaren Antikörper. In diesen Fällen spricht man von einer seronegativen Hashimoto, und die Diagnose stützt sich dann vor allem auf den Ultraschall.

    Warum Hashimoto so viele Gesichter hat

    Die Schilddrüse steuert mit ihren Hormonen praktisch jede Zelle im Körper. Sie beeinflusst den Energiestoffwechsel, die Körpertemperatur, den Herzschlag, die Verdauung, die Stimmung sowie Haut, Haare und den Zyklus. Wenn die Hormonproduktion nachlässt, laufen all diese Prozesse langsamer. Das erklärt, warum die Beschwerden so breit gefächert sind.

    Typische Anzeichen einer Hashimoto-bedingten Unterfunktion sind:

    • anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung, die sich durch Schlaf nicht bessert
    • Kälteempfindlichkeit und ständig kalte Hände und Füße
    • ungewollte Gewichtszunahme trotz gleichbleibender Ernährung
    • trockene Haut, Haarausfall und brüchige Nägel
    • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, oft als Brain Fog beschrieben
    • gedrückte Stimmung und Antriebslosigkeit
    • Verstopfung, Muskel- und Gelenkschmerzen
    • Zyklusstörungen bei Frauen und erhöhte Cholesterinwerte

    Nicht jeder hat alle diese Symptome, und die Beschwerden können im Verlauf wechseln. Manche Menschen fühlen sich trotz erhöhter Antikörper lange kaum beeinträchtigt, andere leiden stark. Ein Sonderfall ist der sogenannte Schub, bei dem aus dem entzündeten Gewebe kurzzeitig zu viel Hormon freigesetzt wird. Dann treten vorübergehend Zeichen einer Überfunktion auf, etwa Herzrasen, Nervosität und innere Unruhe. Fachleute nennen das Hashitoxikose.

    Wie Hashimoto verläuft

    Die Erkrankung durchläuft typischerweise mehrere Phasen, wobei nicht jeder Mensch alle Stufen erreicht.

    • Phase 1, Euthyreose mit Antikörpern: Die Schilddrüsenfunktion ist noch normal, im Blut lassen sich aber bereits Antikörper nachweisen. Häufig bestehen noch keine oder nur vage Beschwerden.
    • Phase 2, subklinische Unterfunktion: Der TSH-Wert beginnt zu steigen, während das freie T4 noch im Normbereich liegt. Einige Betroffene haben schon Symptome, andere nicht. Das Risiko, dass daraus eine ausgeprägte Unterfunktion wird, liegt bei etwa zwei bis fünf Prozent pro Jahr.
    • Phase 3, manifeste Unterfunktion: TSH ist deutlich erhöht, das freie T4 erniedrigt. Jetzt sind die Beschwerden meist spürbar, und in der Regel wird eine Hormonersatztherapie nötig.

    Interessant ist, dass sich bei rund 40 bis 60 Prozent der Menschen mit einer subklinischen Unterfunktion die Werte innerhalb von fünf Jahren von selbst wieder normalisieren, besonders wenn die Antikörper nur leicht erhöht sind. Hashimoto ist also kein zwangsläufig geradliniger Weg in die schwere Unterfunktion.

    Merke

    Erhöhte Antikörper bedeuten nicht automatisch, dass du Hormone einnehmen musst. Entscheidend ist die Kombination aus Laborwerten, Beschwerden und Verlauf. Solange die Schilddrüse noch genug Hormone bildet, geht es oft zunächst um regelmäßige Kontrollen statt um sofortige Behandlung.

    Wie Hashimoto diagnostiziert wird

    Ein einzelner TSH-Wert reicht für eine saubere Abklärung nicht aus. Zur vollständigen Diagnostik gehören mehrere Blutwerte und in der Regel ein Ultraschall.

    Die wichtigsten Laborwerte sind:

    • TSH als Steuerhormon der Hirnanhangsdrüse. Der Normbereich liegt je nach Labor etwa bei 0,4 bis 4,0 mU/L. Steigt der Wert, ist das ein Hinweis auf eine Unterfunktion. Wie du den TSH-Wert richtig einordnest, hängt immer auch von den Referenzwerten des jeweiligen Labors ab.
    • Freies T4 (fT4) zeigt, wie viel aktives Hormon verfügbar ist. Bei Hashimoto ist es normal oder erniedrigt.
    • Freies T3 (fT3) ist das biologisch aktivste Hormon und wird größtenteils aus T4 umgewandelt. Ein niedriges fT3 bei normalem fT4 kann auf ein Umwandlungsproblem hindeuten.
    • TPO- und Tg-Antikörper belegen den Autoimmunprozess, auch wenn die Funktion noch normal ist.

    Der Ultraschall ergänzt die Blutuntersuchung und ist besonders bei fehlenden Antikörpern wichtig. Typisch für Hashimoto ist ein inhomogenes, echoarmes Gewebe, das dunkler erscheint als eine gesunde Schilddrüse, oft als mottenfraßartig beschrieben. Die Drüse kann vergrößert sein (Struma) oder im Verlauf auch schrumpfen. Knoten kommen häufiger vor und sollten ab einer Größe von etwa einem Zentimeter genauer angeschaut werden.

    Der Zusammenhang mit der Unterfunktion

    Hashimoto und Schilddrüsenunterfunktion werden oft in einem Atemzug genannt, sind aber nicht dasselbe. Hashimoto ist die Ursache, die Unterfunktion die mögliche Folge. Die Entzündung zerstört über die Zeit hormonbildendes Gewebe, wodurch die Produktion sinkt. Erst wenn zu wenig Hormon übrig bleibt, entsteht die eigentliche Unterfunktion mit ihren spürbaren Beschwerden.

    Genau deshalb kann jemand jahrelang Antikörper im Blut haben, ohne sich krank zu fühlen. Umgekehrt gibt es Menschen mit ausgeprägten Symptomen. Die Standardbehandlung der Unterfunktion ist der Ersatz des fehlenden Hormons mit Levothyroxin, das in der Regel morgens nüchtern eingenommen wird. Auf den Autoimmunprozess selbst hat dieses Hormon keinen direkten Einfluss, es gleicht lediglich den Hormonmangel aus. Eine etablierte Therapie, die den Angriff des Immunsystems stoppt, gibt es bislang nicht.

    Was Betroffene wissen sollten

    Hashimoto ist eine lebenslange, in den allermeisten Fällen aber gut behandelbare Erkrankung. Mit einer passenden Einstellung der Hormone führen die meisten Menschen ein beschwerdefreies Leben mit normaler Lebenserwartung. Ein paar Punkte helfen im Umgang mit der Diagnose:

    • Wer Hashimoto hat, trägt ein erhöhtes Risiko für weitere Autoimmunerkrankungen wie Zöliakie, Typ-1-Diabetes oder eine Vitamin-B12-verwertende Magenschleimhautentzündung. Regelmäßige Kontrollen sind sinnvoll.
    • Ein normaler TSH-Wert schließt Hashimoto in frühen Stadien nicht aus. Bei anhaltenden Beschwerden lohnt es sich, gezielt nach Antikörpern zu fragen.
    • Manche Betroffene fühlen sich trotz rechnerisch guter Werte weiterhin nicht wohl. Das ist ein Grund, im Gespräch mit der behandelnden Praxis dranzubleiben und mögliche Begleitfaktoren wie Nährstoffmängel oder eine gestörte Hormonumwandlung mit abzuklären.

    Die Datenlage weist darauf hin, dass Nährstoffe wie Selen, Vitamin D und Eisen für die Schilddrüse eine Rolle spielen und bei Hashimoto häufig unzureichend vorhanden sind. Solche Werte lassen sich im Blut bestimmen. Nahrungsergänzungsmittel ersetzen jedoch keine Hormontherapie und sollten vor einer Einnahme ärztlich abgeklärt werden.

    Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Wenn du mehrere der beschriebenen Beschwerden bei dir bemerkst oder der Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung besteht, lass das ärztlich abklären, statt in Eigenregie zu behandeln.

    Quellen

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